8. Oktober 2012

INFAMOUS Interview

Mit Sylvia von “hug-you.com”

von Lisa

Sylvia Haghjoo (23) ist Fotografin und Bloggerin. Mit ihren oft verträumten Fotos, aber auch mit ihrer Leidenschaft für Mode und knallige Farben hat sie über ihren Blog hug-you.com inzwischen nicht nur in Deutschland zahlreiche Fans. Wir trafen Sylvia auf einen Cappuccino zwischen den Fleeten Hamburgs und haben sie zu ihrem Leben als Bloggerin befragt.

INFAMOUS: Wie erklärst Du Deinen Großeltern, was Du machst?

Sylvia: Oh Gott – wie würde ich denen das erklären? Ich würde sagen, ich arbeite als Fotografin. Ich mache Fotos, stelle die dann auf eine Seite im Internet und teile diese Seite dann mit Leuten aus der ganzen Welt. Aber ob meine Großeltern das dann wirklich verstehen würden…

I: Siehst Du Dich als Hobby-Blogger?
S:
Bei mir zählt das Bloggen schon zu meinem Beruf, in dem ich aber aufgehe - es ist auch meine Leidenschaft. Ich kann ohne Probleme acht oder neun Stunden an einem Post verbringen. Dass ich dafür unmittelbar nichts bekomme, macht mir überhaupt nichts aus, weil es mir einfach Spaß macht. Und das ist auch das Wichtigste: dass man sich damit identifizieren kann.

I: Kannst Du von Deinem Blog leben?
S:
Wenn ich nicht als Fotografin arbeiten würde, könnte ich davon nicht leben. Ich verdiene an meinen Fotos und an den Jobs, die ich durch mein Blog bekomme. Vom Blog allein würde das nicht gehen.

I: Was war der Auslöser für Deinen Blog? War es denn von Anfang an Dein Plan, mal von dem Mix aus Fotografie und Blog leben zu können?
S:
Unmittelbar bevor ich mit dem Bloggen angefangen habe, wusste ich überhaupt nicht, was ein Blog ist. Zum ersten Mal habe ich davon in New York erfahren. Ich war dort, um mir die Parsons School of Design anzusehen und mich um ein Stipendium zu bewerben. Dort haben sie mir gesagt, ich sollte doch mal meinen eigenen Blog mit meinen Bildern machen – das Wort "Blog" hab ich dann erstmal gegoogelt…

Bloggen ist für mich Selbst­darstellung.

Anfangs habe ich mich gegen die Idee gesträubt und mich gefragt, worin überhaupt der Sinn liegen soll, Dinge von mir im Internet preiszugeben. Als ich es dann aber mit meiner Familie und meinen Freunden besprochen habe, haben die gesagt: Was willst Du mit Deinen Bildern denn sonst machen? Du kannst ja nicht von heute auf morgen ein toller Fotograf sein – Du musst Dir das erst einmal aufbauen! Und ein Blog ist einfach die beste Plattform, um meine Fotografien anderen Leuten zu zeigen. So kam "hug-you" dann zustande.

I: Siehst Du das Bloggen als Selbstdarstellung oder eher als Service an die Frauen da draußen, um ihnen Mode näher zu bringen?
S:
Ich finde schon, dass Bloggen Selbstdarstellung ist - es hat aber auch eine ähnliche Funktion wie ein Lebenslauf. Es ist etwas, das Du vorweisen kannst, auch um zu zeigen, mit wem Du schon gearbeitet hast.

I: Bekommst Du als Bloggerin auch Sachen geschenkt?
S:
Ja, das fängt so langsam an. Ich bekomme jedenfalls ganz viele Angebote. Natürlich überlege ich mir genau, was zu meinem Blog passt und ob ich es dann auch dort aufnehme.

I: Bist Du käuflich?
S:
Nein! Ich mache und trage nur Sachen, die mir auch gefallen. Wenn ich hinter etwas stehe, dann mache ich das, aber wenn es mir gar nicht gefällt, mache ich das nicht - egal wie viel Geld man mir dafür bieten würde, die Sachen zu tragen. Anderenfalls würde ich nur meinem Ruf schaden und der ist mir viel wichtiger.

I: Wie war es, die erste Einladung zu einem Event/einer Modenschau zu bekommen?
S:
Ich konnte inzwischen schon zwei Mal bei dem Event Firenze4Ever von Luisaviaroma dabei sein. Die Teilnahme war eine große Ehre für mich. Dort habe ich mit den ganz großen Bloggern einen Abend verbracht, was für mich sehr aufregend war. Ja, das waren bis jetzt absolute Highlights für mich!

I: Wer macht denn die ganzen Fotos von Dir in Deinem Blog? Selbstauslöser oder Blogger-Kollegin?
S:
Das ist meine Schwester Julia. Es sei denn, ich bin irgendwo unterwegs ohne sie, dann macht das natürlich eine Freundin und der gebe ich dann entsprechende Anweisungen. Ab und zu war es Juliane von Style Shiver.
Aber generell die Outfit-Fotos macht meine Schwester Julia. Sie hat jetzt auch ihren eigenen Blog, den haben wir gerade gestartet.

I: Bist Du durch Deine Jobs viel unterwegs oder bist Du generell viel unterwegs und nutzt das dann für Deinen Job?
S:
Beides. Also mehr oder weniger bin ich ja für mich selber unterwegs. Entweder ich kann das kombinieren mit Blog und Job, aber überwiegend bin ich für den Blog unterwegs.

I: Wo warst Du denn schon überall?
S:
Dieses Jahr war ich zwei Mal in Florenz. Generell: New York, Paris, Grimaud, St. Tropez und Warschau. Hier in Deutschland: München und Sylt.

I: Welche Stadt war für Dich am Spannendsten?
S:
Ganz klar: New York!

I: Lernst Du eigentlich auch viele Models und andere Fotografen über Deinen Blog kennen?
S:
Ja, ziemlich viele Models. Fotografen geht so. Ich kenne natürlich in der Branche ein paar, aber durch das, was ich jetzt mache, habe ich nicht wirklich explizit andere Fotografen kennengelernt.

I: Wenn Du Dich für den Rest Deines Lebens auf drei Designer festlegen würdest, welche wären das?
S:
Oje, mal überlegen. Chanel, Yves Saint Laurent und hmmmm… das fällt mir echt schwer… ich glaube ich nehme Dior. Die Klassiker.

I: Woher kommen Deine Ideen?
S:
Ich schaue ganz viel auf andere Blogs oder in Zeitschriften. Ansonsten inspirieren mich Freunde. Eigentlich inspiriert mich alles. Denn sobald ich rausgehe, mich umschaue und neue Sachen sehe, kommen mir selbst auch neue Ideen. Deswegen ist eigentlich 24/7 immer etwas in meinem Kopf.

I: Und Welche Blogs liest Du gern?
S:
Fashiontoast finde ich ganz toll. Bei Chiara (The Blonde Salad) schaue ich natürlich auch ganz gerne vorbei, ebenfalls bei Juliane von Style Shiver und bei Stylescrapbook von Andy. Außerdem finde ich immer sehr witzig, was Bryan Boy so treibt. Unter den Blogs von Unternehmen verfolge ich die von Closed, Unger, LuisaviaRoma und Leonies Conley's-Blog.

I: Welche Person hat Dich in Sachen Fashion am meisten inspiriert?
S:
Derzeitig inspiriert mich Olivia Palermo durch ihre tollen Looks sehr. Chiara Ferragni inspiriert mich ebenfalls und ich bewundere auch ihren Werdegang: Wie sie angefangen hat und wo sie jetzt steht - das ist für mich der größte Beweis, dass man Social Media nicht unterschätzen darf und was man damit alles erreichen kann.
Im Bezug auf Fotografen finde ich, dass Kristian Schuller ganz tolle Fotografien macht, die auch meinem Stil nahe sind: diese Verschnörkelungen, das Leichte, Fliegende, mit viel Seide – das gefällt mir gut. Außerdem Andreas Hosch; Tim Walker finde ich auch gut – Terry (Richardson) ist mir allerdings ein bisschen zu freaky. Lina Tesch ist auch eine Inspiration für mich. Sie ist erst 20 und schon supererfolgreich - vor ihr ziehe ich wirklich einen ganz großen Hut und würde auch sehr gerne mal mit ihr zusammenarbeiten.

Ich bin das "bunte Schaf" in meiner Familie.

I: Siehst Du eher den Laufsteg oder den Streetstyle als Quelle für neue Ideen?
S:
Auf jeden Fall Streetstyle! Auf dem Laufsteg gibt ein einzelner Designer den Models vor, was sie anziehen sollen, beim Streetstyle zeigen die Leute ihren persönlichen Stil und geben damit etwas über sich selbst preis.

I: Hast Du einen absoluten Lieblingsshop in Deutschland?
S:
Nein, einen absoluten Lieblingsshop, den ich allen anderen vorziehe, habe ich nicht. Es gibt aber einige, die ich sehr cool und schön finde: Hier in Hamburg zum Beispiel Unger, Petra Teufel, Anita Hass, Closed, Lino und Queen for a Day.

I: Bist Du das "schwarze Mode-Schaf" in Deiner Familie?
S:
Man könnte mich das "bunte Schaf" nennen (lacht). Schon als Kind habe ich gezeichnet und meine Kleidchen gemalt während die anderen mit Barbies gespielt haben. Oder ich hatte die Kamera von meinen Eltern in der Hand und habe damit geknipst. Als ich dann bei Unger in Hamburg meine Ausbildung gemacht habe, konnte ich mich klamottenmäßig richtig schön austoben. Das Interesse war aber schon immer da.

I: Soll es denn ausschließlich bei Mode und Fotografie bleiben?
S:
Auf jeden Fall! Das möchte ich machen, bis ich alt werde.

Vielen Dank für das Interview, Sylvia!

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