13. April 2012

INFAMOUS Interview

Leonie Gerner

Leonie Gerner (26) ist Bloggerin. Doch nicht irgendeine. Sie hat ihre Liebe zur Mode zum Beruf gemacht und ist Chefredakteurin des hauseigenen Blogs des Fashion Online-Stores Conley's und des dazugehörigen Conley's Magazins. Auch auf Lookbook.nu ist sie mit ihren inspirierenden Outfits immer wieder ein Hingucker. Wir trafen die Wahl-Hamburgerin auf einen Latte Macchiato, um ihr das ein oder andere Style-Geheimnis zu entlocken.

INFAMOUS: Wie lang hast Du heute gebraucht, um Dich zu stylen?
Leonie Gerner: Ich habe heute Morgen verschlafen, also musste alles ganz schnell gehen. Ich habe einfach helle Jeans angezogen, einen schwarzen, leichten Pulli übergeworfen und alles mit schicken Accessoires aufgepeppt. Das Ganze hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert.

I: Achtest Du sehr auf Deinen Look?
LG: Ja, kann man so sagen. Da bin ich etwas eitel. In Jogginghose und Sneakers würde ich jetzt nicht unbedingt zur Arbeit gehen, da gebe ich mir schon mehr Mühe. Ich will ja nicht, dass mein Chef sich eines Tages fragt, warum er mich eigentlich eingestellt hat. Das ist natürlich übertrieben, aber man möchte eben auch ein gewisses Know-How repräsentieren.

I: Siehst Du das Bloggen als persönliche Selbstdarstellung oder eher als Service für die Frauen da draußen, um ihnen Mode näher zu bringen?
LG: Einerseits ist es sicherlich Selbstdarstellung, aber das ist ja das Natürliche daran. Jeder ist irgendwo Voyeur und möchte gucken und erfahren, was andere tun, anziehen oder wie sie leben. Stars sind dagegen unnahbar, nicht greifbar für den „normalen“ Menschen. Das ist der interessante Punkt an einem Blog: Man lernt den Menschen dahinter kennen, kann in sein Leben eintauchen und sich daran orientieren oder Inspirationen sammeln. Und das wiederum sichert einem Blog viele Leser.

I: Du arbeitest bei Conley‘s als Chefredakteurin. Stört es Dich manchmal, dass Du an das Unternehmen gebunden bist? Trägst Du jetzt nur Conley‘s Kleidung?
LG: Nein, ich habe von vornherein klargestellt, dass ich mich nicht nur auf Conley‘s Produkte einschießen möchte. Ich mixe meine Sachen. Das sieht man auch bei Lookbook.nu. Ich trage Gina Tricot Schmuck zu einem Conley‘s Top und Schuhen von Zara. Ich bin immer noch ich und nicht die Marke, und genau wie ich mir die Freiheit nehme, alles zu mixen, möchte ich auch, dass es so bei meinem Blog ist. Dass ich immer wieder auch Teile von Conley‘s trage, ist da doch selbstverständlich!

Ich bin fasziniert vom Streetstyle. Und ich bin der Meinung, dass er näher am Leser ist. Näher an der realen Welt.

I: Du machst also nicht direkt Werbung für den Shop?

LG: Eine Freundin brachte mich auf die Idee, Outfits bei Lookbook.nu zu veröffentlichen. Da ist mir natürlich der Gedanke gekommen: Mensch es macht Sinn, wenn ich da auch ein paar Klamotten von Conley‘s trage! Das zieht Leser in den Blog und das will ich ja auch. Ich möchte immer neue Leser begeistern und überzeugen, und wenn ich meine Outfit-Posts dann mit meiner Arbeit verbinden kann, ist das doch toll. Mir ist aber wichtig, dass der Blog keine Verkaufsplattform wird. So etwas kann einen Blog sehr schnell kaputt machen, und wenn man alles mit Werbung zuballert, fehlt die Persönlichkeit hinter der Sache.

I: Wann war für Dich klar, dass Mode Dein Beruf wird?
LG: Eigentlich bin ich ein Quereinsteiger. Ich habe Sprachwissenschaften und Kommunikationsmanagement studiert. Aber das Interesse für Mode war schon immer da. In der Schule wurde ich meistens das „Modepüppchen“ genannt, aber dass ich das tatsächlich mal in die Tat umsetzen würde, darauf kam ich erst während eines Praktikums bei einem Modemagazin. Und von da an ging alles ganz schnell. Danach habe ich ein Volontariat gemacht und bin in die Branche hineingerutscht. Ich habe quasi mein Hobby zum Beruf gemacht.

I: Woher kommen Deine Ideen für neue Artikel?
LG: Ich recherchiere viel auf anderen Blogs, in Foren und diversen Online-Magazinen. Aber vieles kommt natürlich auch durch das, was ich so am Tag mache. Ich berichte viel über meinen Alltag, über meine Arbeit, zum Beispiel über Shootings. Ich fotografiere viel und habe immer eine Menge Material zusammen, wenn ich von der Fashionweek zurück komme. Ich bemühe mich, bei meinen Blogposts immer so aktuell wie möglich zu sein. Außerdem arbeite ich auch mit anderen Bloggern zusammen, beispielsweise mit Sarah und ihrem Blog „Josie Loves“. Und so versuche ich, aus allen Bereichen ein bisschen was zu pflücken.

I: Welche Blogs liest Du gern?
LG: Natürlich lese ich den Blog "Josie Loves" von Sarah; den finde ich super. Sie macht tolle Streetstyle-Bilder. Letztes Jahr hat sie 365 Tage lang 365 Outfits gepostet. Sie gibt sich wirklich viel Mühe. Dann habe ich vor einiger Zeit "White Noise" gefunden, einen wunderschönen Blog mit grandiosen Bildern. Ich hatte vorher noch nie davon gehört, ist aber absolut einen Besuch wert. Außerdem mag ich ich den Blog "hug-you" von Sylvia. Ihre Bilder finde ich genial, weshalb ich demnächst auch mit ihr für ein Projekt zusammen arbeiten werde. Ein Klassiker ist natürlich "Les Mads". Dort guckt jeder drauf, auch wenn es für mich kein richtiger Blog mehr ist, sondern eher ein Online-Magazin.

I: Siehst Du eher den Laufsteg oder Streetstyle als Inspiration für dich?
LG: Ich bin fasziniert vom Streetstyle, und ich bin der Meinung, dass er näher am Leser ist. Näher an der realen Welt, obwohl - manchmal auch nicht (lacht). Laufstege bieten natürlich tolle Eindrücke, aber wenn Du dann bei einer Show in der ersten oder zweiten Reihe sitzt und feststellen musst: 'Wie schön, jetzt habe ich Designer XY angeguckt, konnte aber leider nichts erkennen, weil es einfach zu dunkel war…', dann denke ich, Streetstyle ist einfach spannender.

I: Wie beschreibst Du Deinen persönlichen Style?

LG: Ein Mix aus rockig, elegant und gerne feminin, sprich: immer hohe Schuhe, gerne mal zum Ausgehen Dekolleté.

Momentan ist ja fast alles erlaubt – was etwas nervt.

I: Gibt es für Dich ein absolutes Fashion-No-Go?
LG:
Momentan ist ja fast alles erlaubt – was etwas nervt. Ganz besonders schlimm finde ich aber weiße Lack-Buffalo-Plateau-Schuhe und Plastik-Schlaghosen. Und generell sind Hosen, die einschneiden oder durchsichtig sind, absolut nicht schön!

I: Und was war Dein größter Fashion-Fauxpas?
LG:
Definitiv meine weiße Stoffhose, eine Fake-Lederjacke mit Leoprint-Applikationen am Kragen und – jaja, leider muss ich es zugeben – weiße Superstars mit pinken Schnürsenkeln – da war ich allerdings 12…

I: Für welches Stück in Deinem Schrank hast Du am meisten Geld ausgegeben?
LG:
Ehrlich gesagt ist es mir nicht wichtig, was etwas kostet oder von welcher Marke es stammt. Dennoch: Mein teuerstes Teil ist wohl eine Tasche für ca. 550 Euro von Marc Jacobs.

I: Und was ist Dein Lieblingslabel?
LG:
Ich bin Fan von Kaviar Gauche. Ich habe ihre Mode dieses Jahr auf der Fashionweek in Berlin gesehen. Zwar war ich zu spät und konnte nur noch im Gang stehen, aber es war trotzdem so entzückend. Kaviar Gauche gehört auf jeden Fall zu meinen absoluten Favourites. Ich stehe irgendwie auf deutsche Labels.

I: Für welches Designer-Teil könntest du töten?
LG:
Da gibt es einige, die ich gerne hätte… Eine Robe von Elie Saab zum Beispiel.

I: Welche Person hat Dich in Sachen Fashion am meisten inspiriert?
LG:
Die Bloggerin Elin Kling und Sienna Miller.

I: Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?
LG (schmunzelt):
Natürlich in der Chefredaktion der Vogue! Nein, Spaß! Mein Traum wäre schon, irgendwann tatsächlich etwas ganz eigenes zu machen. Ich kann mich zwar bei Conley‘s komplett verwirklichen und habe jede Menge Spielraum für meine Ideen. Aber so etwas völlig eigenes, ein Projekt mit ein paar anderen Kreativen zusammen, wäre schon toll. Auf jeden Fall möchte ich die jetzige Richtung beibehalten.

I: Und soll es dann ausschließlich bei der Mode bleiben?
LG: Klar, Mode bleibt für mich immer Thema Nummer 1. Aber auch Reisegeschichten finde ich super. Ich kann mir gut vorstellen, so etwas zu machen. Auch Kunst interessiert mich sehr. Es muss ein guter Mix aus diesen Themen sein. Aber ich werde jetzt nicht plötzlich über 385 Mio. verschiedene Vogelarten dieser Erde schreiben…

I: Vielen Dank für das Interview.

Vielen Dank auch an Lina Tesch, die die coolen Fotos gemacht und uns zur Verfügung gestellt hat! Linas Seite findet Ihr hier.

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