4. Februar 2013

Infamous Interview

mit Kathrin von “Modepilot.de”

Wir treffen uns mit Kathrin Bierling von Modepilot vor der Burda Bar in München. Sie trifft auf dem Weg hinein noch eine Kollegin und erinnert sie an eine Deadline. Es ist vier Uhr, sie hat viel um die Ohren, doch sie nimmt sich Zeit für einen Kaffee. Sie sagt, Stress gehöre zum Alltag und erzählt mit einem Augenzwinkern, dass sie ihn brauche. Kathrin ist nämlich nicht nur eine der Gründerinnen von Modepilot, sondern seit Juli 2012 Mitglied der Chefredaktion von BIP Digital und verantwortlich u.a. für die Online-Auftritte von Elle, Freundin, InStyle, Cover und Les Mads.

Kathrin a.k.a. "Modejournalistin"

INFAMOUS: Kathrin, wie ist Modepilot entstanden?
Kathrin:
Modepilot ist ursprünglich als Test-Plattform von uns Printjournalistinnen Barbara, Sabine und mir gegründet worden. In unserem Redaktionsalltag hatten wir immer schöne Themen auf dem Tisch, die es nicht mehr ins monatlich erscheinende Heft schafften. Diese wollten wir mit anderen teilen und ehrlich (!) besprechen.

I: War das von Anfang an ein Erfolg?
K: Wir konnten es anfangs nicht glauben, aber Modepilot entwickelte sich schnell zu einer vielgelesenen Seite.
Sie wurde nicht nur schnell erfolgreich, weil wir einer der ersten Modeblogs waren, sondern weil wir auch die einzigen waren, die in der Branche gut vernetzt waren. So besuchten wir Modeschauen zu einem Zeitpunkt, zu dem Blogger noch keinen Zutritt hatten.

I: Gab es auch Schwierigkeiten?
K:
Bestimmte Zusammenhänge haben wir damals nicht verstanden. So war uns weder bewusst, dass man uns durch Suchmaschinen-Optimierung besser auf Google finden kann, noch, welche Möglichkeiten das Internet überhaupt so zu bieten hatte. Da mussten wir uns als Printjournalisten erst einmal einarbeiten. Mittlerweile nutzen wir das auch hauptberuflich. Die neuen Möglichkeiten, die das Internet bietet, sind viel spannender als das, was uns Print bis dahin geboten hatte.

Für jemanden,
der viel online unterwegs ist, gibt es keinen großen Ansporn mehr, sich ein monatliches Magazin zu kaufen.

I: Glaubst Du, dass Onlinemedien durch ihre Aktualität und Geschwindigkeit Printmagazine ablösen werden?
K:
Für jemanden, der viel online unterwegs ist, gibt es keinen großen Ansporn mehr, sich ein monatliches Magazin zu kaufen, weil er News und Trends schon aus dem Netz kennt. Die Ruhe, ohne ein mobiles Endgerät, nur mit Print-Produkten den Sonntagvormittag zu verbringen, möchte ich aber nicht missen!

I: Was macht Modepilot anders als andere Fashionblogs?
K:
Wir sind erwachsener. Wir gehen weniger – ich sage es mal frech – naiv an die Themen ran. Aufgrund unserer Erfahrungen können wir vergleichen und kennen die Hintergründe. Es reicht nicht, uns einen Lipgloss zu schicken, um uns als Fürsprecher der Marke zu gewinnen. Dafür muss der Lipgloss schon revolutionär sein, was er in 99 von 100 Fällen nicht ist.

Genauso, wie wir nicht jede Pressemitteilung, die jeder der 580 Mode-Blogger bekommt, verwerten. Unsere Inhalte sollen für uns persönlich von Interesse bleiben und wir haben natürlich auch ein Gefühl dafür entwickelt, was der Leser interessant findet. Der Luxus bei uns liegt darin, dass wir hauptberuflich alle etwas anderes machen – sprich: Wir sind wirtschaftlich nicht davon abhängig und können Geschichten so bringen, wie wir sie spannend finden.

I: Und was macht Ihr alle hauptberuflich?
K:
Barbara, unser Parisoffice, lebt schon seit vielen Jahren in Paris, ist mittlerweile mehr Französin als Deutsche und arbeitet als freie Korrespondentin für die deutsche Vogue und verschiedene andere Zeitungen und Nachrichtensender. Sabine gestaltet in Deutschland den Mode-Fachjournalismus mit. Und ich bin Chefredakteurin für die Burda-Style-Onlineseiten, wie unter anderem Elle.de und Instyle.de. Das bedeutet nicht, dass ich für all diese Seiten schreibe. Ich bin aber verantwortlich dafür, wie die Seiten zukünftig bestückt und aussehen werden.

I: Gibt es zwischen Euch drei Mädels auch mal Konflikte?
K:
In der Mode sind wir uns einig: unterschiedliche Sichtweisen beleben die Kommentarspalte. Wir sind unterschiedliche Charaktere, haben eine klare Meinung und Haltung – das ist gut so und das leben wir mit unseren Lesern in der Kommentarfunktion auch aus. Konflikte gibt es eher bei der Farbwahl des Logos oder bei Verträgen. Dann heißt es zwei gegen eine und die eine verflucht dann den demokratischen Ansatz unserer Gesellschaft. Dafür, dass wir seit fünf Jahren übernächtigt sind, fügt sich aber alles recht harmonisch, was auch an dem gegenseitigem Respekt liegt. Toi, toi, toi!

I: Koordiniert Ihr Euch wie eine professionelle Printredaktion?
K:
Nein. Dadurch, dass wir beruflich sehr stark eingespannt sind, können wir einem geregelten Modepilot-Alltag nicht gerecht werden. Jeder stellt online, was er gerade online stellen möchte und kann. Überschneidungen kommen da eher selten vor, da jeder so seine Themen hat.

I: Seht Ihr Euch oft?
K:
Wir treffen uns maximal einmal im Jahr zu dritt, anders bekommen wir es nicht organisiert. Telefonieren zu dritt: zwei, drei Mal im Jahr – zu zweit schon häufiger. Sonst sehen wir uns auch mal auf Veranstaltungen. Das kommt aber viel weniger vor, als man glaubt, da wir uns in diesen Fällen meistens aufteilen müssen: Der eine geht nach Paris zu einer Show, der andere zu einer Shop-Eröffnung in London.

Der Blog Modepilot.de bietet Euch die Insider-Perspektive zur Modewelt.

Der Blog Modepilot.de bietet Euch die Insider-Perspektive zur Modewelt.

I: Wir haben ein witziges Video zu Eurem fünfjährigen Jubiläum entdeckt. Gehören Selbstironie und Mode zusammen?
K:
Absolut, das gehört sowas von zusammen! Natürlich gehört zur Mode auch die Erneuerung und der Mut, sich auf neue Dinge einzulassen und das kann schiefgehen. Spätestens dann braucht man eine gehörige Portion Selbstironie, denn ansonsten braucht man sich mit Mode gar nicht genauer zu beschäftigen.

Mode ist ein Luxus-Thema, für das man eine gehörige Portion Selbstironie braucht!

Unser Leitspruch ist: Wir nehmen unseren Leser ernst, aber nicht uns selbst. Wir feiern uns auf unserem Blog sehr wenig selbst. Es geht nämlich weniger darum, was für coole Typen wir sind oder, was für geile Klamotten wir im Kleiderschrank haben. 

Mode ist ein Spaßthema, ein Luxus-Thema! Dass man sich damit beschäftigt, was man anzieht, dass man überhaupt die Wahl hat – wenn man das zu ernst nimmt, kommt man sich komisch vor. Man sollte dankbar sein, dass man sich sowohl beruflich als auch in der Freizeit mit dem Thema auseinandersetzen kann.

I: Was ist das Coolste, das Euch bislang mit Modepilot passiert ist?
K: Harper's Bazaar war immer wieder in der Presse und es gab die Frage und Diskussion, wer Chefredakteurin werden sollte. Unser Blog beschäftigt sich gerne mit der Branche, da wir dort so tief verwurzelt sind und vor allem von der Branche gelesen werden. Wir haben deshalb diese Verlags-Diskussion öffentlich gemacht und eine Abstimmung gemacht mit allen möglichen Kandidaten für den Posten. Warum soll es der Verleger entscheiden und nicht die Leser? Die Beteiligung war groß und hat wiederum für sehr viel Diskussionsstoff gesorgt. Wir haben damit ziemlich viel Unruhe gestiftet – einige Leute dachten sogar, dass wir offiziell mitbestimmen dürfen. Die große Resonanz von so vielen Seiten – das war sehr spannend.

Eine andere Geschichte hat sich aus einem Post über eine Bottega Veneta Buchvorstellung ergeben. Der Chefdesigner Tomas Maier war in der Boutique, um das Buch zu signieren. Fand ich super, da ich ihn auch immer schon mal interviewen wollte – allerdings nicht auf Englisch, sondern auf Badisch. Er kommt aus Pforzheim, ich aus Karlsruhe. Da bietet sich das an. Das kam bei Bottega Veneta aber nicht so gut an. Ich bat dann darum, wenigstens ein Grußwort auf mein Buch zu bekommen: "Thank you for a great night you sexy thing, your Tomas" – kam auch nicht gut an.

I: Vielen Dank für das Interview.

Modepilot findet Ihr hier.

Hier seht Ihr die beiden neuesten Specials auf unserer Shop Specials Seite

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