1. November 2012

INFAMOUS Interview

Mit Bahar Kizil

von Lisa

Alle kennen sie als ehemalige Sängerin der Monrose und viele auch als Bloggerin. Doch die heutige Solokünstlerin Bahar Kizil liebt vor allem eins: Mode! Wir trafen die Neu-Hamburgerin kurz vor ihrem Paris-Urlaub auf einen Latte Macchiato und eine Vespa-Spritztour durch Hamburg. Was sie von ihrer neuen Heimat denkt und wo sie gerne shoppen geht, verrät sie uns in diesem Interview.

Du bist nach Hamburg gezogen; wie kam es dazu?
Das war eigentlich eine Hals-über-Kopf-Entscheidung. Ich habe ganz lange kein Management gehabt, habe meinen Manager hier kennengelernt und innerhalb einer Woche meine ganzen Pläne umgeschmissen. Ich hatte eigentlich vor, erstmal ins Ausland zu gehen, um Songs zu schreiben.

Was war denn die Konkurrenzstadt im Ausland?
Vorerst hätte es mich nach London gezogen. Ich liebe diese verregnete und stylische Stadt!

Fühlst Du Dich denn hier in Hamburg jetzt wohl und bist schon richtig angekommen?
Ja! Ich lauf zwar immer noch mit dem Handy-Navi rum wie so eine Gestörte (lacht), aber ich fühle mich schon angekommen. Ich wurde hier auch sehr lieb empfangen. Es war für mich nicht so schwer, in Hamburg Anschluss zu finden. "Unterkühlter Norden" sagen zwar viele, war bei mir aber nicht der Fall. Es lag vielleicht auch daran, dass ich hier schon ein kleines Netzwerk hatte. Außerdem sind in der Musikbranche ja alle sehr locker, da lernt man die Leute überall kennen.

Denkst Du, Hamburger stylen sich gut? Bekommst Du hier Inspirationen?
Ich finde, sie stylen sich anders…

Je nach Kneipe sind hohe Schuhe in Berlin fast obszön.

Inwiefern?
Ich trage selber im Alltag gerne Airmax, aber ich finde, es gibt sehr, sehr viele davon hier (grinst). Aber ich finde sie schon sehr stylisch. Anders als in Berlin. Hier darf man auch gerne schicker weggehen und wird nicht komisch angeguckt nach dem Motto "Warum hat die jetzt hohe Schuhe an?". In Berlin ist das fast schon obszön, wenn Du ins Cookies mit hohen Schuhen gehst (lacht). Klar, Berlin ist künstlerisch, aber letzten Endes laufen alle mit ihrem Jutebeutel genau gleich rum.      

Welche Stadt ist für Dich DIE Mode-Stadt? Dein nächstes Urlaubsziel Paris?
Ich war selber zweimal in Paris, hab dort aber immer gearbeitet und hatte nie die Chance, wirklich mal die Stadt zu sehen. Deshalb bin ich schon sehr gespannt und möchte auch unbedingt in diese schönen kleinen Gassen… Ich liebe das – dieses Romantische! Außerdem finde ich, dass Istanbul eine coole, stylische Stadt ist – natürlich auch New York und London.

Woher kommt Dein Modebewusstsein?
Also ich muss sagen, meine Familie war jetzt nie großartig modebewusst. Wir haben nur versucht, uns immer stilvoll und ordentlich zu kleiden. Auch als junges Mädchen habe ich aber schon immer viel Wert auf Mode gelegt, allerdings hatte ich ein anderes Modebewusstsein.

Damals habe ich mir eine Levis-Jeans gekauft und das war halt einfach für mich "der Shit" (lacht). Dazu noch Adidas-Schuhe und ein cooles T-Shirt. Anders als heute: Damals habe ich wenig Make-up benutzt und meine Haare nicht gestylt. Ich habe einfach mehr für die Musik und die Schule gelebt und hatte dieses Bewusstsein noch nicht. Da bin ich auch eher durch die Arbeit reingerutscht.

Berätst Du Deine Familie und Freunde in Fashion-Fragen?

Ein Fashion-Berater bin ich nicht. Es gibt bestimmt Leute, die sagen: "Oh das was Bahar macht, ist voll grässlich!" Die Leute gucken mich komisch an, weil ich einen pinken Lippenstift trage und sie das dann schon zu grell finden. Das ist natürlich immer Geschmacksache.

Mode ist eine Interpretations- und Gefühlssache. Du machst und trägst das, wonach Du Dich fühlst. Aber ich berate mich gerne mit meinen zwei Schwestern und leg da auch viel Wert drauf. Die sind jünger als ich, aber sie sind sehr modebewusst und wir tauschen viele Klamotten. Früher habe ich sehr viel mit Mandy von Monrose geshoppt und wir sind zusammen in die Modewelt hineingewachsen.

Haben Mandy und Du immer noch Kontakt?
Ja, wir haben noch Kontakt, allerdings nicht regelmäßig. Am Ende des Tages geht doch jeder seinen eigenen Weg.

Wie bist Du darauf gekommen, neben der Musik auch zu bloggen? Was war der Anstoß?
Man passt sich ja auch immer so ein bisschen dem Partner an: Mein damaliger Freund war sehr modebewusst und meinte zu mir: "Blog doch mal!" Damals hatte ich schon die Idee, meine Homepage neu aufzuziehen und habe sie dann im Blog-Style und im Stil einer normalen Musiker-Homepage machen lassen.

Aber Bloggen ist wirklich ein Fulltime-Job! Irgendwann habe ich nur noch über mein Leben gebloggt, sprich: das, was ich sehe, was ich toll finde, was ich erlebe, geschenkt und geschickt bekomme… Über Themen wie "Was ist grad der neuste Trend?" blogge ich nicht mehr. 

Du hast mal gesagt, Du liest gerne den Blog von Kim Kardashian. Warum?
Sie ist ja sehr weiblich und nicht so eine typische Bloggerin. Sie ist ein It-Girl, wird für alles gebucht und das postet sie dann. Sie ist eher so eine Posterin (lacht). Ich finde es toll, dass sie verschiedene Facetten von sich und ihrem Leben zeigt. Und sie hat einen gewissen Sinn für Sarkasmus, was ich ganz lustig finde.

Könnte man sie als eines Deiner Styling-Vorbilder bezeichnen?
Ich finde, Kim Kardashian sieht immer sehr schön und perfekt aus, aber ich mag lieber Menschen, die sich auch mal etwas trauen und die variabel sind. Ich mag Rihanna – natürlich nicht alles: die langen Nägel finde ich furchtbar und manchmal auch die Haare. Aber sie hat einen gewissen Sinn für Mode, der sehr interessant ist. Manchmal rockig düster, dann schick und süß – das finde ich cooler! Und ich liebe Blake Lively, die ist immer geil!

Als Künstler versuche ich auf jeden Fall, ein gewisses Bild von mir auch zu erfüllen.

Welche Bedeutung hat Mode für Dich?
Für mich ist Mode ein Gefühl und eine Art, es zu interpretieren. Wenn ich morgens aufstehe und meinen Tag lässig gestalte, dann ziehe ich mich auch entsprechend lässig an. Wenn ich mich total sexy fühle, ziehe ich mich dementsprechend anders an.

Passt Du Dich dann auch mit Deiner Kleidung an die Leute an?
Ja. Denn ich mag es nicht, negativ aufzufallen. Positiv natürlich gerne!

Ist es Dir denn wichtig, was andere Leute über Dich denken?
Ja klar! Es ist mir sehr wichtig, was andere denken. Aber wenn die Leute denken, dass mein Lippenstift zu pink ist, dann ist mir das völlig egal. Aber als Künstler ist mir das enorm wichtig. Da kann mir auch keiner das Gegenteil erzählen!

Wir sind sehr emotional und auch etwas eitel, deshalb werden wir ja Künstler! Wir lesen uns immer durch, was die Leute schreiben und gerade im Internet kann das sehr fies sein. An manchen Tagen juckt mich das auch. Deswegen versuche ich auf jeden Fall, ein gewisses Bild von mir auch zu erfüllen. 

Wie lange hast Du heute gebraucht, um Dich zu stylen?
15 Minuten, weil ich, ehrlich gesagt, verpennt habe (lacht). Ich bin so ein Mensch, der immer alles auf den letzten Drücker macht – das ist mein großes Problem. Ich komme immer zu spät – mir rennt immer die Zeit davon!

Was war Deinen größter modischer Faux-Pas?
Schlaghosen! Heute finde ich Schlaghosen ja geil, aber damals waren die einfach anders. Die hat man nicht stylisch zu hohen Schuhen getragen, sondern zu flachen. Dann muss ich gestehen, dass es bei mir eine Glitzer-Phase gab – da habe ich mir sogar mal eine Hose von Orsay gekauft. Nie wieder! (lacht)

Legst Du bei Deiner Kleidung Wert auf Qualität?
Ja, weil man einfach sagen muss: Die Sachen gehen schnell kaputt! Das ist unangenehm zu tragen. Die Leute fragen sich, wieso sie nach fünf Minuten nach Schweiß riechen, obwohl sie geduscht haben. Die Stoffe sind einfach anders verarbeitet, aber was erwartest Du für 15 Euro?

Damit sage ich nicht, dass alles, was teuer ist, auch gut ist. Also zum Beispiel Schuhe: Ich liebe Schuhe. Bei denen macht es der Mix. Ich schwöre auf die Yves Saint Laurent Pumps, die sind ganz toll und da zahle ich auch gerne 200 Euro mehr für etwas, das ich dann auch lange habe. Aber ich versuche immer zu mixen und finde auch Schuhe von Zara schön.

Was hast Du immer in Deiner Tasche?
(Schaut nach) Mein Handy und das Ladekabel – ich hänge förmlich an der Steckdose! Dann noch meine Bahar-Kette, meinen Geldbeutel und ich habe immer ein Parfüm dabei (jetzt gerade: Guerlain, La Petite). Ansonsten habe ich im Moment Fanpost dabei, die ich beantwortet habe.

Hattest Du schon einmal einen besonderen Mode-Moment in Deinem Leben?
Wenn junge Designer auf mich zukommen und sagen, dass sie ein Kleid für mich schneidern möchten, dann finde ich das schon total krass – das sind für mich schöne Momente.

Wirst du denn oft auf Modeevents eingeladen?
Ja das ist als Künstlerin ja das Tolle! Es ist eben nicht immer nur Gesang! Den liebe ich zwar und er hat auch Priorität für mich. Es ist aber einfach toll, bei unterschiedlichen Sachen wie solchen Events dabeizusein, generell immer in alle Richtungen was zu machen, also auch in Richtung Mode. Am Ende des Jahres habe ich z.B. auch meine erste kleine Filmrolle. Es ist die Abwechslung – die macht einfach total Spaß!

Eine Filmrolle, cool! Verrätst Du uns was darüber?
Das darf ich noch nicht (grinst).

Vielen Dank für das Interview.

Bahars Website samt Blog findet Ihr hier.

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