11. Juni 2013

Die irische Bloggerin Anouska Proetta Brandon

Infamous Interview

Anouska Proetta Brandon

von Jules

Es war einmal eine kleine grüne Insel, ganz unauffällig im Schatten Großbritanniens versteckt, die sich nicht viel aus Mode, Styling und Bloggern machte. Doch plötzlich kam vor zwei Jahren wie aus dem Nichts ein Mädchen und änderte das schlagartig. Darüber wollten wir natürlich mehr wissen und deswegen trafen wir uns in Dublin mit eben diesem Mädchen, der irischen Top-Bloggerin Anouska Proetta Brandon (hier geht's zu ihrem Blog), zu einem Interview.

Infamous: Wie würdest Du Deinen persönlichen Stil beschreiben?
Anouska: Oh, diese Frage finde ich sehr schwerieg! Als Fashion-Blogger ist es gerade Dein Job, viele verschiedene Outfits und Styles zu tragen und zu präsentieren. Ich persönlich liebe Kleidung, die ein bisschen maskulin ist, aber dennoch einen weiblichen Touch hat. Auf der einen Seite mag ich den "grungy" Look, andererseits soll es aber trotzdem hübsch und mädchenhaft sein. Ich denke, am besten kann man meinen Stil mit "vielseitig" beschreiben – ein bisschen ein Mischmasch.

I: Hast Du eine Stilikone oder jemanden, der Dich einfach inspiriert?
A:
Bei der Frage nach Stilikonen, denken viele zuerst an Promis. Allerdings folge ich keinen Prominenten, um genau zu schauen, was die machen. Ich habe mich erst sehr spät, so mit 18 Jahren, das erste Mal mit Mode auseinandergesetzt. Davor war ich nicht interessiert daran und habe Celebritys deswegen auch nicht in dem Zusammenhang wahrgenommen. Ich finde es interessanter, was "echte" Leute tragen. Stars haben ihre Stylisten, werden angezogen – das finde ich nicht inspirierend.

Es gibt jetzt nicht eine einzelne Person, über die ich sagen würde: "Wow, toller Style!" Aber ich folge verschiedenen Bloggern und hole mir dadurch Inspirationen, vor allem von den kalifornischen Bloggern. Da werde ich auch immer gleich neidisch, weil sie in der Sonne sind, während ich im verregneten Irland sitze. Wenn Ihr mich jetzt zwingen würdet, einen Promi zu nennen, dann wäre das wohl ganz klischeehaft Mary-Kate Olsen. Aber sonst… eher Lookbook.com; also das, was Leute auf der Straße tragen. Es ist persönlicher und kreativer. Sie zeigen der Welt durch ihre Kleidung, wer sie wirklich sind.

Ich folge keinen Promis. Ich finde es interessanter, was echte Leute tragen.

I: Siehst Du Dich auch auf Dublins Straßen nach Inspiration um?
A:
Nein!

I: Du denkst also nicht, dass es hier einen bestimmten, aktuellen Style gibt?
A: Mhmm, eher nicht. Irland ist schon sehr hintendran; nicht nur was Mode angeht, sondern auch im Hinblick auf Musik und Film. Ich denke auch, dass das Wetter eine große Rolle spielt. Wenn es die ganze Zeit kalt ist und regnet, ist es schwer, sich gut zu stylen. Man zieht keine schönen Schuhe an, weil man Angst hat, dass sie kaputtgehen.
Ich würde sagen, Irland hat einen Style, der sehr auf Nummer sicher geht. Man fällt nicht gerne auf. Das wird auch kritisch beäugt: "Oh, willst Du damit angeben oder was?" ist so ein typischer Kommentar. Es hat also doch auch etwas mit mangelndem Mut zu tun. Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt sagen darf, aber ich finde nicht, dass Iren den besten Style haben. Oh, das war jetzt schon ein bisschen frech, oder?

I: Du hast erzählt, dass Dich die kalifornischen Blogger so begeistern und inspirieren. War das eine Motivation dafür, Deinen eigenen Blog zu starten?
A:
Nicht wirklich. Am Anfang wusste ich überhaupt nicht übers Bloggen. Mein Freund stieß auf die Seite Lookbook.com und meinte, die könnte mir gefallen. Bevor ich gebloggt habe, war ich sehr an Fotografie interessiert und habe Fotos von mir selber und meinen Outfits gemacht. Nicht um irgendwie "fashionable" zu sein, sondern nur aus Spaß. Und mein Freund meinte: "Warum stellst Du die nicht bei Lookbook rein, damit die Arbeit nicht ganz umsonst ist?" Das habe ich dann auch gemacht. Zu der Zeit war Lookbook allerdings nicht so umkämpft wie heute und es war leichter aufzufallen. Das war natürlich Glück für mich.

Ich habe mir immer die Fotos der anderen angesehen und wenn mir ein Bild oder Look gefallen hat, dann habe ich auf ihren Blog geklickt. Mir ging es dabei nicht so sehr um die Mode, auch wenn ich es interessant fand, wie sich andere Leute stylen, sondern darum, wie sie sich auf einem Foto inszenieren und ausdrücken. Das machte es interessant für mich. Ich dachte mir: Ich hab' tonnenweise Fotos – das kann ich auch! Und weil ich bei Lookbook präsent war, wurde mein Blog schnell von vielen Menschen gesehen. Das hat die Seite natürlich sofort hochgepusht. Ich wusste nie, wohin die Bloggerreise geht, aber sie hat sich wie von selbst, ganz organisch weiterentwickelt.

I: Dein Blog war also kein geplantes Projekt? Nicht darauf angelegt, damit einmal Geld zu verdienen?
A:
Nein, das war er nicht. Zu der Zeit wusste ich auch nicht von all dem Möglichkeiten, die das Blogging bieten kann. Ich dachte, die anderen Blogger machen das auch nur aus Spaß. Dass man damit auch Geld verdienen kann, war mir nicht klar. Heute tu' ich aber genau das. Natürlich muss man aber trotzdem was dafür tun, damit das funktioniert. Man muss einfach dranbleiben, immer etwas posten. Leute wollen Dir folgen, also musst Du ihnen Material liefern. Dazu zählen natürlich auch Instagram, Facebook und Twitter. Niemand benutzt nur noch eine Seite. Du musst also schon was bringen. 

I: Und jetzt verdienst Du damit auch Geld?
A:
Jetzt ja, die zwei Jahre zuvor: nein. Diese Jahre war ich überwiegend in Vollzeit als Verkäuferin in einem Modeladen angestellt. Fünf Tage die Woche. Gleichzeitig habe ich versucht, meinen Blog vier- bis fünfmal die Woche zu aktualisieren. Das waren eigentlich zwei Vollzeitjobs gleichzeitig. Es war auch hart, gerade hier in Irland. Wenn ich um fünf mit der Arbeit fertig war, war es meist zu dunkel, um zu fotografieren. Deswegen habe ich am Wochenende immer gleich zwei bis drei Einträge vorgearbeitet. Das war sehr anstrengend, aber es war möglich. Als Vollzeit-Bloggerin arbeite ich erst seit zwei Monaten. Und es ist auch durchaus schon Geld damit reingekommen. Allerdings reicht das gerade so. Aber es spornt an, noch mehr zu machen. Wenn man davon leben will, muss man eben 100 Prozent geben und mit Leidenschaft dabei sein. Wie bei jedem anderen Job auch.

Du kannst die tollste Persönlichkeit und den coolsten Style haben, aber wenn die Fotos schlecht sind, will sich das keiner ansehen.

I: Dieser Job, Blogger sein, ist das jetzt Dein Traumjob?
A:
Für mich ist er das, ja. Ich arbeite einfach nicht gerne für andere Leute. Ich habe es auch gehasst, Verkäuferin zu sein und unzählige Chefs zu haben, denen man es allen Recht machen muss. Von klein auf wollte ich immer mein eigener Boss sein. Ich war sehr störrisch und musste immer alles selbermachen. Und es ist wirklich cool, sein eigener Chef zu sein! Man arbeitet einfach auch härter. Du weißt, dass nur Essen auf dem Tisch steht, wenn Du selbst was dafür tust, denn ein Festgehalt hast Du ja nicht. Das motiviert unglaublich. Trotzdem ist es für mich ein wahr gewordener Traum. Das hat nicht einmal unbedingt etwas mit dem Bloggen zu tun, sondern mit der Tatsache, dass ich für mich selbst arbeiten kann. Und dabei mache ich das erst seit zwei Monaten! Noch finde ich alles sehr aufregend und spannend und kann mein Glück auch noch nicht ganz fassen. Ich muss noch sehr viel lernen, gerade weil ich erst jetzt diesen Schritt gehen konnte. Das hat schon ziemlich lange gedauert.

I: Du bloggst jetzt seit zwei Jahren, oder?
A:
Genau; vor zwei Jahren habe ich angefangen. Im Nachhinein sind zwei Jahre nicht viel, aber wenn Du es machst und nichts geht vorwärts, dann bist Du manchmal schon sehr genervt und zweifelst auch an Dir selbst. Jetzt hoffe ich einfach, dass noch viiiiiele weitere Jahre bevorstehen. Das würde mich freuen.

I: Du hast doch aber bestimmt viel Unterstützung, die das möglich machen wird. Hattest Du diese auch schon von Anfang an?
A:
Anfangs wurde ich schon oft gefragt, was das soll. Ich hatte ja schon erwähnt, dass Dublin gerne mal hinterherhinkt. Als ich mit dem Blog angefangen habe, gab es hier eigentlich niemanden, der so etwas gemacht hat wie ich. Natürlich gab es Blogger, aber so richtig mit Mode- und Outfit-Posts gab es nichts. Meine Freunde haben damals auch noch komisch geguckt und sich über mich lustig gemacht, weil sie es nicht verstanden haben. Aber davon darf man sich nicht unterkriegen lassen!

Trotzdem war ich natürlich auch auf Hilfe angewiesen. Denn mir ist Qualität sehr wichtig und ohne sie geht auch nix. Du kannst die tollste Persönlichkeit und den coolsten Style haben, aber wenn die Fotos schlecht sind, will sich das keiner ansehen.

Meine Familie hat mich sehr unterstützt. Und insbesondere auch mein Freund. Am Anfang hat er zwar noch nicht fotografiert, aber er ist ein ziemlicher Nerd, der gerne immer neue Sachen lernt; also habe ich ihm eine Kamera in die Hand gedrückt und er war sofort mit Begeisterung dabei – Talent hat er auch. Er macht inzwischen alle Fotos von mir für den Blog und ist eine riesengroße Hilfe; ohne ihn würde es nicht gehen. Ich habe wirklich viel Glück.

Die größte Unterstützung sind allerdings meine Leser und Follower, die mir so treu zur Seite stehen. Menschen, die ich nie kennengelernt habe, aber die mir wirklich am Herzen liegen. Ohne sie gäbe es gar keinen Blog.

Man schafft sowas nicht allein; das wird oft vergessen. Man braucht Leute, die einem wirklich helfen. Und die sind schwer zu finden. Da habe ich, ich kann es nur noch einmal sagen, wirklich Glück mit meinem Freund und mit meinen Lesern auch.

I: Hast Du noch einen weiteren Tipp, was man unbedingt beachten sollte, wenn man selber Blogger werden will?

A: Sei Du selbst! Es ist nicht wichtig, was andere bloggen und tragen, Dein eigener Style ist wichtig! Da spreche ich auch aus eigener Erfahrung. Ich sehe viele Blogger, die die teuersten Labels von Valentino bis Chanel tragen. Das mache ich selbst nicht. Ich würde auch nie 2.000 Euro für eine Handtasche ausgeben. Ich trage viel High-Street, einfach weil ich den Lesern ja auch immer was Neues bieten muss. Deswegen habe ich nicht weniger Follower als andere. Weil das einfach ich bin. Darauf kommt es an.

Und auf Qualität natürlich.

I: Anouska, vielen Dank für das Interview!

Anouskas Blog findet Ihr hier: www.anouskaproettabrandon.com
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