16. Juli 2014

Berlin, Berlin!

Rebecca Mir für Dimitri

Die Berlin Fashionweek Frühjahr/Sommer 2015

von Nane

Temperaturen um die 30 Grad, Gewitter einem Weltuntergang nah, ein Eisstadion, interessante Mode, coole Beauty-Looks, zu viele Partys und kaputte Füße… Ja, das war sie, die Berlin Fashionweek Spring/Summer 2015. Und wie war sie?

Es gibt ja immer viele Skeptiker. Die Berliner Modewoche sei unwichtig, sei einfach nichts gegen Paris, London und New York. Und trotzdem sind die Reihen der Shows jede Saison aufs Neue prall gefüllt – und überfüllt. Wer sagt denn eigentlich, dass Berlin wie London, New York oder Paris sein will? Niemand. Berlin ist Berlin – und das ist auch gut so. Und Berlin macht Spaß.

Weniger Spaß machte diesmal allerdings die Location – zumindest mir und so manch anderem. Der WM und der Fanmeile sei "Dank", wurde das Mercedes Benz Zelt nicht – wie gewohnt – zentral am Brandenburger Tor aufgebaut, sondern etwas am A… der Welt in Wedding. Ein Eisstadion war diesmal Austragungsort. An sich ganz witzig, nett, alles cool gemacht. Nur leider waren die Wege einfach extrem lang und unsere Taxi-Rechnungen extrem hoch. Wer zu einer der Offside-Shows wollte, musste einige Kilometer auf sich nehmen und es war fast unmöglich, pünktlich zur nächsten Show wieder am Zeltersatz zu sein. Aber darum sollte es hier nicht primär gehen, sondern um die Mode:

Bei Lala Berlin

Bei Lala Berlin standen dieses Jahr Pastellfarben, Layering und gestrickte Transparenz auf dem Programm

Lala Berlin

Statementketten und Schmuck im Ethnolook waren sehr angesagt – hier bei Dimitri

Zu sehen war viel Schwarz-Weiß und noch mehr Weiß, Mint, Vogel-Prints, Oversize, Transparenz, Riemchen-Sandaletten, Spaghetti-Träger, Ethno und Seidenstoffe. Diese Trends hat zum Teil auch sie aufgenommen: Leyla Piedayesh, die Designerin des Kultlabels Lala Berlin. 

Leyla begrüßte uns Offside in der Tischlerei der deutschen Oper mit großen Buchstabenblöcken, bei denen es – je nach Blickwinkel – nie ganz klar war, ob es sich nun um ein L oder ein A handelt. Welcome to Lala-Land! Sie beschäftigte sich mit der Zone zwischen Illusion und Delusion. Vielleicht ein wenig "braver" als gewohnt schaffte sie eine solide Balance zwischen Kommerz und ihrem ganz persönlichen Stil. Eine große Rolle spielten 3D-Effekte, zu denen sie die genaue Betrachtung des Wüstenlands inspiriert hat. Wüstenblumen in 3D-Optik sind das Ergebnis und ein Beweis dafür, dass Leyla immer wieder die Modernität und ihre Herkunft in ihrer Arbeit miteinander vereint.

Diese Visionen macht sie zu tragbaren Kreationen in Nude-und Pastelltönen, mit gelben Akzenten, Layering und gestrickter Transparenz. – Denn Lala Berlin kann und soll tragbar sein. Lala Berlin ist Berlin.

Nicht nur die Mode, auch der Beautylook überzeugte. Er entstand nun bereits zum dritten Mal gemeinsam mit Catrice Cosmetics. Der Look half, einen bestimmten Typ Frau zu symbolisieren, den Leyla durch ihre Kollektion kreieren wollte. Eine sehr frische junge, provokante aber sehr feminine Frau, deren natürliche Schönheit im Mittelpunkt stand. Ein toller sommerlicher Glow, der Lust auf Sommer macht und mit einem orangefarbenen Lidstrich spielerisch eine tolle Kontrastfarbe zu der Farbe der Accessoires bildet. Damit wurden die geraden, manchmal gar nicht so offensichtlichen Linien der Kollektion aufgegriffen – im Spiel mit Sehen und Nicht-Sehen. Ich habe mich absolut verliebt in diesen Lidstrich!

Einen tollen sommerlichen Beauty-Glow hatten auch die Models bei Dimitri, dessen Kollektion insgesamt ein wahrer Farbrausch war. Mediteranes Lebensgefühl pur mit knalligen Tönen und auffälligen Prints. Eine Reise zu exotischen Zielen mit modernen, femininen Schnitten, bunten Grafik-Mustern, Animalprints, Tuniken, Overalls, Fransen-Kimonos und Kleidern im Bohème-Chic. Die Farben reichten von Gelb über tolles Royalblau bis hin zu klassischem Schwarz-Weiß. Wie immer ein Hingucker: tolle Statement-Ketten!

Bei Dimitri

Bei Dimitri

Ein wahres Statement setzte einer mal wieder aufs Neue: Guido Maria Kretschmar war neben Laurèl die ausgebuchteste Show überhaupt. Auch wenn sich in der Front-Row eher das gesamte GZSZ-Team platzierte – er weiß schon wie es geht! Auf den Sitzplätzen saßen Barbies im Guido-Shirt und ein Kleid seiner Kollektion war aus einem grauen Stoff mit "Love Guido"-Print geschneidert – wie süß! So begeistert man sein Publikum und seine Fans! Guido fühlt sich in seiner Rolle wohl. Applaudierendes Publikum bei jedem zweiten Kleid. Definitiv eine der Shows mit der besten und ausgelassensten Stimmung!

Aber Berlin kann auch anders. Vergessen sollten wir nicht Hien Le oder Julian Zigerli, der am Dienstag mit seiner Kollektion "Life is One of the Hardest" die Berliner Modewoche eröffnete. Oder Vladimir Karaleev, der unter freiem Himmel im Kronprinzenpalais eine Kollektion zeigte, die von geometrischen Formen, Linen, Flächen und Texturen bestimmt war. Ungewöhnlich bunt für ihn in dieser Saison. So gar nicht bunt, sondern wie immer "schwarz" war die Kollektion von Augustin Teboul, die ihrem Stil absolut treu blieben.

Berlin ist also weder New York, noch Paris, noch London. Es ist eben Berlin. Und ja, auf der Berliner Fashionweek findet man viele C- bis Z-Promis in der Front-Row, Kollektionen, die sehr kommerziell sind, aber auch Kollektionen, die einen guten Mittelweg finden und welche, die es wagen, anders zu sein – und damit ganz schön "Paris". 

In diesem Sinne: Au Revoir, bis zur nächsten Fashionweek!

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